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Bonne année!

Nach einer in jeder Hinsicht erfüllenden Zeit zu Hause im verschneiten Ludwigshaafe und fünf ereignis – und alkoholreichen Tagen in Paris mit den besten Freundinnen, die sich frau nur wünschen kann,sitze ich nun wieder allein in meiner französischen Kleinwohnung (die immerhin sieben gelegentlich torkelnden Weibern einiges an Raum bieten kann) und drücke mich wie immer vor der nervigen Unilernerei,die mich wohl niemals loslässt. Übermorgen werden wir von diesen umnachteten Idioten bereits mit einer Klausur gepeinigt. Wo ist die Message? Nein, love is not the message.Ich schwelge also noch etwas (episches Resteverputzen!) , Nostalgie und Kater machen nämlich unproduktiv und faul!

Als ich wieder hier ankam, war es ein bisschen wie in dem Film „Willkommen bei den Sch'tis“: Der Protagonist wird in die nordfranzösische Region Nord–Pas–de–Calais versetzt und wäre doch so gerne ans Mittelmeer gezogen. Kaum sieht er, ohnehin schon schlechter Laune, das Straßenschild, das auf die laut Klischees scheußliche Gegend hinweist, beginnt es, wie aus Eimern zu regnen. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich im von lauwarmem Pisswetter heimgesuchten Paris landete,nachdem ich im hübsch verschneiten Mannheim eingestiegen war. Als ich dann auch noch meine Dusche voller Stücke Wandverputz vorfand, war's halt aus. Mann, mann, ich dachte echt, da wär' einer eingebrochen!In der Badezimmerdecke führt ein Schacht senkrecht nach draußen und wird unten von einer Klappe abgedeckt. Die lag nun auf dem Duschboden. Als sei das nicht genug, schien in meinem Schlafzimmer eine Art Massakar oder Explosion stattgefunden zu haben. Mein Regal war nämlich über und über bespritzt mit ominöser braunrötlicher, bereits eingetrockneter Flüssigkeit (Exkremente? Rattenblut? Rost?).

Das war, um es auf den Punkt zu bringen, sehr ungeil. Da ist man schon todestraurig und steckt voller Heimweh und wird dann auch noch mit Zement in der Dusche und Scheiße an der Wand konfrontiert. Das dachte ich mir so. Nachdem niemand mir einen fachmännischen Rat geben konnte, weder die Mädels noch sämtliche Skypebeobachter, entfernte ich es mit Wasser. Ging gut weg. Den Ursprung aber konnte ich niemals klären ... In der Dusche half mir – man lese und staune – mein Nachbar! Ermutigt durch die Anwesenheit meiner Freundinnen (wer greift sieben vollkommen überdrehte Frauen an?) fragte ich den um Rat und er, ganz Franzose, sagte, das sei der Wind gewesen. Das passiere manchmal. Das sei normal. Stieg auf einen Hocker und verschloss den Schacht wieder. Wer hätte gedacht, dass sich jemand, der Leuten Klodeckel vor die Tür legt, nochmal als hilfreich erweisen würde?

Dank meiner lieben Gäste konnten mich der architektonische Mangel und die Gülle in meinem Schlafzimmer aber nicht trist stimmen! Wir kauften fromage und vin blanc, wir besuchten die Rue Daguerre, wir besuchten überhaupt sehr viel, den Cimetière Père Lachaise zum Beispiel, auf dem nicht nur Jim Morrison sondern auch Oscar Wilde liegt und dessen Grab wirklich sehr seltsam gestaltet ist...

Wilder Engel

 Wer da wohl drin liegt?

Außerdem statteten wir dem Louvre einen Besuch ab. Ich kann den immerwährenden Hype um „La Jaconde“, die schöne Mona Lisa, gut verstehen. Die Frau sitzt da in ihrem Rahmen, scheint genau zu wissen dass alle sie sehen wollen und beäugt die alberne, permanent blinkende Menschenmasse verschmitzt. Ist schon beeindruckend. Der Eiffelturm stand zur Hälfte im Nebel und gab nicht soviel her als Fotomodell, dafür scheinen die Pariser nicht mitbekommen zu haben, dass Weihnachten vorbei ist und also war ein Weihnachtsmarktbesuch nahe Trocadéro inklusive vin chaud auch noch drin. Sogar einen Rodelberg für die Kinners haben sie aus Kunstschnee hingebaut.

Beim Hôtel de Ville drängelten sich die Leute um eine Schlittschuhlaufflächebla und die Schlangen vor sämtlichen guten Gebäuden (Notre Dame, Centre Pompidou) waren peinlich lang.

Die Silvesterfeierei ist hier so mittelgut. Genialerweise haben wir's genau wie die Touris und Assis gemacht und sind zur Avenue des Champs – Elysées gefahren, um ein bisschen Feuerwerk zu gucken. Ich sag's euch, das war schlimmer als Wurstmarkt.

 Mit dem Unterschied vielleicht, dass in der Metro keiner geraucht oder die Scheiben angekotzt hat. Aber vor Ort! Was do los is'! Wir standen im Kreis und versuchten verzweifelt den Sekt in die Plastikbecher zu schütten, wir wurden hin und her gedrängt, auf einmal war's zwölf und niemand hatte runtergezählt! Dann hat's einmal kurz geknallt, annähernd feuerwerkähnlich, die Leute schrien OH und AH, aber am Himmel war nix zu sehen! Das war fad. Wir stießen trotzdem an. Proscht Neijohr! Und das Glück war da, als es aus der Menge grölte: „Gib mir ein H! Gib mir ein U! Gib mir ein M!“, und so weiter, ihr kennt das Lied. „Wir singen ... '' Hach.

Vor Ort wollten wir nicht bleiben, wir fuhren zum Montmartre, Sacré – Coeur, trafen weitere Deutsche. In Paris gab es gestern keine Franzosen. „Ach, seid ihr auch Deutsche? Wo kommt ihr her? Aus der Pfalz?“ Wir: „AHJOO!“ Ich sage ja, wir haben überall Spaß. Auch wenn in der Bar, in der man sitzt laut Kellner ein Taschendieb umgeht, der Tequilashot so teuer ist wie ein Bier, draußen irgendwelche Assis einen beleidigen, der obligatorische Döner mit Mayo und Ketchup und Pommes in einer Box ist und man bei der Heimfahrt einem nervigen, hohlen Halbstarken die gansö seit einö bisou auf die backö gebön soll.

Das also war Silvester in Paris und wir haben vielleicht nicht das Beste, aber doch mindestens das Zweitbeste gemacht. Vorsatz: Plane die nächste Feierei in Paris.

Also Frohes Neues Jahr!

 

1.1.11 19:33


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I'll be home for christmas

Paris wandelt sich vom einen Augenblick zum anderen, Schritt für Schritt, Straße für Straße, Station für Station. Erst drängt man sich durch Menschenmassen, die sich auf dem Bürgersteig tummeln, es riecht nach gebratenen Maiskolben, die indisch aussehende Männer in Einkaufswagen grillen und billig verkaufen.

Man zwängt sich gerade noch so in die Metro, bevor sich die Tür mit einem penetranten Signalton schließt und erträgt die unliebsame Nähe zu völlig Fremden. Offenbar haben sich sämtliche Pariser entschieden, zu diesem Zeitpunkt in diesem Wagen zu fahren. Die Luft ist stickig und manchmal kann es passieren, dass die Metro minutenlang an einer Haltestelle steht. Vor ein paar Tagen zB, weil jemand „auf die Gleise marschiert“ war. Jeder in der Metro konnte in seiner unbeweglichen Position die Funksprüche der Metrofahrer hören und jeder muss gehofft haben, dass dieser Jemand nicht hinuntergeschubst worden war. In solchen Momenten entsteht unter sovielen einander völlig fremden Menschen ein stilles Einverständnis, wie es immer ist, wenn ein Problem eintritt, das viele aufeinmal betrifft. Dieses Einverständnis geht über Herkunft und Sprache hinaus. Man tauscht genervte Blicke aus und seufzt „incroyable“ und erntet beifälliges Nicken.

In solchen Momenten erscheinen die eigenen Probleme beinahe nicht existent, wenn man einer von vielen ist. Deshalb liebe ich das Metrofahren. Es gibt immer etwas zu sehen und viele, so viele verschiedene Menschen. Keinem sieht man an, welche Sprache er spricht, ob er Tourist ist oder Einwohner. Wer sich langweilt beim Metrofahren, weil er nichts zu lesen dabei hat, kann ein Ratespiel draus machen.

Man steigt schließlich zehn Stationen später aus und findet sich in einem völlig anderen Umfeld wieder. Es sind nicht so viele Menschen unterwegs, die Straßen sind weitläufiger und die Architektur der Gebäude, die sich in Paris kaum ändert, egal in welchem Quartier man sich befindet, entfaltet sich hier mehr als in den belebteren Vierteln: Hohe Häuser, Altbau, schick verzierte Fensterrahmen. Die Läden ändern sich, es ist schicker, die Leute sind reicher, die Autos dicker.

Aber egal, wo man gerade spazieren geht, ob im ersten oder im achtzehnten Arrondissement, überall picken fette Tauben Krümel vom Asphalt, leuchten Blitzlichter von Digicams, werden Hubkonzerte gegeben. Hupen scheint hier hobbymäßig betrieben zu werden.

Noch nie habe ich es so sehr genossen, einfach nur alleine durch die Gegend zu laufen, egal, bei welchem Wetter. Wenn man den Kopf freibekommen will, hilft nichts besser, als einfach durch eine Straße von Paris zu flanieren. An irgendeiner Wand prangt ein geniales Graffiti, auf irgendeinem Schild steht ein lustiges Wort. Irgendwas passiert immer.

Mein bestes touristisches Erlebnis diesen Monat: den Arc de Triomphe erklimmen. Ich behaupte, man hat da den besten Blick über Paris. Man sieht alles. Die Avenue des Champs – Elysées liegt einem breit und symmetrisch zu Füßen und der Eiffelturm ist quasi mit der Hand greifbar.

Apropos Eiffelturm: Ein sehr heller und weitreichender Scheinwerfer leuchtet an der Spitze, wenn es dunkel ist und dreht sich um die eigene Achse, sodass alles im Umkreis von weiß ich nicht wieviel Kilometern mal das Gefühl hat, angeleuchtet zu werden. Der Herr der Ringe lässt grüßen! Liebe Nerdfreunde, das ist Saurons Auge!

Es ist bitterkalt hier. Der tolle Schnee, der euphorische vorweihnachtliche Gefühle in mir geweckt hat, ist zu grauem Matsch geworden und Streusalz scheinen die hier nicht zu haben. Der Pariser Weihnachtsmarkt war schön, aber er hat mein Heimweh und meine Sehnsucht nach Deutschland noch verstärkt (siehe Bilder).

Es fällt mir noch immer schwer, mich an den Unialltag und die permanenten Überprüfungen zu gewöhnen und ich habe nie das Gefühl, genug gelernt zu haben. In unserem interkulturellen Kurs sprechen wir über Klischees über Deutsche und Franzosen. Etwa, dass die Franzosen von Kindesbeinen an auf Karriere getrimmt werden und daher an ständigen Stress gewöhnt sind. Die Deutschen dagegen, die angeblich eine auf soziale Gefüge und rücksichtsvolles Verhalten gerichtete Erziehung genießen, nehmen sich viel Zeit für eine detaillierte Arbeit. Stimmt das so? Bin ich deshalb so ausgelaugt? Denn das bin ich, obwohl ich in einer Stadt lebe, die mich fasziniert und die soviele Dinge bereithält. Ich erlebe soviel und doch besteht mein Alltag hauptsächlich aus Lernen, lernen, lernen po pernen.

Louis Armstrong swingt durch meine Wohnung, „Zat you, Santa Clause?“ singe ich mit und bin sicher, dass ich meine sonst ihrerseits lärmenden Nachbarn zur Weißglut bringe. Meine Mama hat mir einen Adventskalender geschickt, ich habe mir einen Adventskranz aus vier Teelichtern gebastelt, ich esse Mandarinen und Nüsse. Und ich kann es kaum erwarten, dass die beiden Klausuren diese Woche endlich vorbei sind, sogar das Ergebnis ist mir egal, und ich endlich nach Hause fahren kann. I'll be home for christmas.

 

 Louis Vuitton Schaufenster


14.12.10 00:53


In Paris geht man nicht einfach mal eben in den Supermarkt, weil man noch Milch braucht. Selbst wenn es einem gelingt, schnell alles zu finden und nicht einen weiteren Nervenzusammenbruch bedingt durch die horrenden Preise erleidet, verbringt man 80% seines Aufenthalts im marché – an der Kasse. Die Kassiererinnen (ich habe noch keinen Mann an einer Supermarktkasse gesehen!) haben die Ruhe weg. Die chillen SO RICHTIG bei der Arbeit. Die Artikel werden in Zeitlupentempo an das Piepsdings gehalten und vorbeigeschoben, der Kunde ist eh Luft, es wird mit den Kollegen getratscht. Einmal hielt meine Kassiererin zwischen Baguette und fromage inne, um sich die Hände einzucremen. Mal ehrlich, das gibt’s in Deutschland nicht. Die wär' knallhart gefeuert worden. Die Kunden verhalten sich, nicht zu vergessen, aber genauso. Der Deutsche an der Supermarktkasse packt so schnell wie möglich alles in seine mitgebrachte Einkaufsstofftasche (Nachhaltigkeit!), und zwar WÄHREND die Ware registriert wird, um rechtzeitig das Geld parat zu haben und bloß niemanden aufzuhalten. Der Franzose wartet, bis alle Einkäufe hinter der Kasse liegen, packt dann seelenruhig ein, bemerkt, dass er noch eine Plastiktüte (Umweltschutz ist überbewertet) benötigt, kramt dann nach Bargeld, hat nicht genug dabei, zückt die Kreditkarte, die in zwei von drei Fällen erst beim DRITTEN MAL funktioniert. Während ich vor Ungeduld beinahe platze und nur noch den Kopf schütteln kann, bemerkt der Rest in der unvorstellbar langen Schlange nicht einmal, dass es sich hier um Zeitverschwendung handelt! Ich übertreibe nicht, Leute. Noch nie zuvor habe ich erlebt, dass Klischees über Deutsche (Penibilität, Gründlichkeit) und Franzosen (Ruhe, Rücksichtslosigkeit) so intensiv bestätigt wurden!

Heute ist unifrei, weil die Franzosen den Tag der deutschen Kapitulation im ersten Weltkrieg feiern^^ Patriotismus ist hier schon angesehen, auch das ist unsereins fremd. Dazu ein andermal mehr.


 Muss lernen, kann nicht viel schreiben, stattdessen ein paar Bilder.

 "Ich mag mein Viertel! Ich mach hinter meinem Hundi saubär!"

Sicher?

Immer süß, wenn sie übersetzen

Geniale Hauswandkunst!

Das spricht ja wohl für sich

Alles episch in Paris!



12.11.10 00:11


Lernen, lernen, lernen po pernen!

Wenn die Pariser (vielleicht auch die übrigen Franzosen) überlegen, was sie sagen wollen, sagen sie „bah“. Es hat die gleiche Bedeutung wie „ähm“ und wird sehr häufig benutzt. Selbst bei mir schleicht es sich schon ein. Bei unserem Statistikprof klingt es wie ein Rülpsen ins Mikro und niemand versteht, warum ich bei jedem Bah fast unter der Bank liege. 

Der Unialltag. Ich habe jetzt einen. Einen Alltag meine ich, mit verpflichtenden Tds (travaux dirigés), das sind Übungen und eeeewiglangen Cm (cours magistraux), das sind Vorlesungen. In Mainz hatte ich pro Semester vier Fächer mit je einer Übung und einer Vorlesung, die in der Regel je eineinhalb Stunden dauerten. Ich musste in jedem Fach eine Klausur bestehen (4gewinnt!). Keine Hausarbeiten, keine Referate. Hier habe ich fünf Cm mit jeweils einem Td. In den Tds schauen sie auf Mitarbeit, man diskutiert hier zuweilen über das, was man studiert. Wenn ich dann irgendwann mal endlich alles verstehen sollte, was die Dozenten da auf schnellstem, undeutlichstem Französisch palawern, kann ich mich evtl. auch beteiligen. Zwei interkulturelle Kurse und Englisch müssen wir auch belegen. In Englisch werden wir die Franzosen dermaßen wegdominieren, die können ja nichts an anderen Sprachen.

Dafür sind sie groß im Streiken. Jipjip, da hab ich mich gefreut, als einfach ein kompletter Tag FREI WAR wegen des Streiks gegen die Rentenreform. Das war schon sehr top, nur langsam nervt es, weil ständig alle Metros total verstopft sind und ich schon um sechs Uhr aufstehen muss, weil ich Angst habe, ich schaff' es sonst nicht pünktlich zur Uni und dann kann ich meine Unterschrift nicht auf die Kursliste setzen, was zur Folge hat, dass ich fehle, und wenn man dreimal fehlt, ist das schlecht. Null Creditspoints und so. 

Das heißt, es ist nicht mehr so wie in alten Zeiten, dass ich einfach liegen bleibe, wenn ich keine Lust habe. Und da meine Kurse jeden Tag zwischen acht und neun anfangen, stehe ich jeden Tag um sechs oder halb sieben auf. Woran erinnert uns das? Schule. Nur, dass Mama einen nicht mehr weckt, wenn man verschläft...

Von Krawallen, brennenden Autos etc. hab' ich bisher übrigens noch nichts mitbekommen. Obwohl die Uni in Nanterre liegt, also nicht in der privilegierten Innenstadt. Einmal haben sie wohl die Mensa attackiert, Steine gegen die Fenster geworfen und die Tür demoliert, aber da war ich nicht vor Ort. 

In Paris ist das meiste unfassbar teuer, anderes aber auch wieder nicht. Einerseits habe ich heute Nacht um vier Uhr mit zwei Freunden einen Burger, Pommes und ein paar Salatbätter für 17 EURO gefuttert (also für jeden). Draußen war es kalt, wir hatten keine Lust, in so einen Schickimickiclub beim Arc de Triomphe zu gehen, der nach Geld stank und außerdem schlechten HipHop spielte. Wir wären wohl ohnehin nicht reingekommen. So ohne blondgefärbt und Gürtel äh Rock erfährt frau nicht die Gnade dieser Proletenschuppen. Mit ihren 2cl Vodkagläschen für 20 Euro und den reichen, ekelhaften Säcken, die es nötig haben, hier billige Mädchen abzugreifen, die es nötig haben, sich an reiche, ekelhafte Säcke ranzuschmeißen. Pardon. Da ging's wohl mit mir durch.

Wie auch immer, stattdessen liefen wir etwas durch Paris by night, stiegen in einen Bus ein und landeten bei Bastille. Weil es bibberkalt war und wir auf die 1. Metro um halb 6 warten mussten, setzten wir uns in das einzige  Bistro, das um 4 noch/schon auf hat (nix Musikparkdöner am Berlinerplatz, schön wär's!) und schnabulierten das Billigste auf der Karte. War sehr lecker gewesen.Andererseits kostete und die Karte für 3D Despicable Me grade mal sieben Euro. Das ist sogar im Verhältnis zu Deutschland billig. Für Studenten geht hier einiges.

Haha, und in der Metro haben sie auf diversen Sprachen Vorsichtsschilder angebracht. Auf Deutsch steht da: „Notausstieg. Am Griff zichen. Nach dem vollständigen Stillstand des Fahrz die Türen aufdrücken.“ Süß, oder? Wieder eine Situation, in der ich wie eine Irre vor mich hingrinsend durch Paris fuhr. Hier ist es meistens lustig^^

PS: Ich muss meine Aussage über die Prollodisko relativieren. Heute wurde mir erzählt, dass man da drin auch mit Jeans Spaß haben und die Musik hören kann, ohne Ohrenkrebs zu bekommen. Bitch, get out the way etwa würde durch Bob Marley oder Simon&Gurfunkel kompensiert. Na, das geht doch.

21.10.10 22:58


In der Höhle des Drachen

Ich mache mich auf zur Uni, der Papierschlacht die Stirn zu bieten und meinen Studentenausweis zu erlangen. Als eines jener Opfer, die aufgrund ihres Nachnamens immer zu den Letzten gehören, wurde ich von meinen werten besserbenamten Kommilitonen schon diversen Schauergeschichten über die französische Unibürokratie ausgesetzt. Man müsse noch Motivationsschreiben und Lebenslauf nachreichen und außerdem einen Sprachtest machen und mindestens drei Passfotos dabei haben. Die Sekretärin, die sich der Erasmusstudenten annimmt, sei ein richtiger Drachen.

Halb nervös, halb lustlos laufe ich zum Gebäude für „Relations internationales“, was darunter mit „internationale Verhältnisse“ übersetzt ist ^^. Raum 105 finde ich recht schnell, es ist der, vor dem sich etwa 20 Leute tummeln. Die gefühlte Wartezeit beträgt fünf Stunden. Als ich endlich an der Reihe bin, muss ich natürlich bereits dringend auf Toilette. Ich lasse mir erklären, dass der Sprachtest verpflichtend ist, ein Einschreiben in einen Sprachkurs aber nicht. Nach dem Sinn traue ich mich nicht zu fragen und beschließe, auf den Test zu verzichten.

Dann werde ich zum Drachen geschickt. Der soll mich einschreiben. Es handelt sich um eine tatsächlich außergewöhnlich strenge Frau, die aber, als sie meine Unterlagen einsieht, ein mitleidiges und freundliches Gesicht macht: „Ah, Sie sind das Mädchen, das VWL studiert. Die einzige!“ Sie hätte mich auch gleich als armes Opfer bezeichnen können. Es stellt sich heraus, dass es bei VWL mehrere Optionen gibt. Internationale VWL, VWL und Politik, Geld, Bank und Finanzen und so weiter. Welche ich wolle. Ich wusste nicht, dass ich wählen kann, sage ich und auch, dass meine Vorgänger immer Geld, Bank und Finanzen belegt haben. Sie will, dass ich es mir gut überlege und dann wieder komme. Ich will nicht nochmal hier rein. Ich will meinen Ausweis. Bei einem Blick auf mein Passbild (das ich vor ein paar Monaten zusammen mit meinem Antrag bereits eingeschickt habe), wird ihr Gesicht noch freundlicher. „Sie sehen hier aus wie Carla Bruni!“ Betroffen überlege ich, welche Reaktion jetzt angebracht ist. Findet sie mich hübsch oder dass ich Haut wie ein Plastikeimer habe? Dann kommt mir der Gedanke, dass die Franzosen ihre First Lady lieben und entscheide mich für ein geschmeicheltes Lächeln. Frau Drache merkt das und relativiert sofort ihre Aussage: „Aber nur auf dem Bild! Jetzt haben Sie ja viel hellere Haare! Sie sollten sie unbedingt wieder dunkel färben!“ Ich argumentiere mit Natürlichkeit, aber das lässt sie nicht gelten. Ich traue mich nicht, mich mit ihr anzulegen.

Plötzlich fällt ihr wieder ein, warum ich hier bin (meine Blase macht sich bereits auf den großen Knall gefasst) und sagt, sie könne mich für Geld, Bank und Finanzen nur mit einer Bestätigung von meiner Mainzer Fachkoordinatorin einschreiben. Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Frau Drache drückt mir ein Telefon in die Hand, ich muss anrufen. Tingeling, Mainz meldet sich, ich schildere entnervt mein Problem, das mit der Bestätigung ist neu, aber es gibt ja Fax, das wird gemacht, ich werde eingeschrieben, ICH HAB'S GESCHAFFT. Ich muss ein Stockwerk runter, erneut einen Raum suchen. Da sitzen Leute hinter Computern und tippen. Ich bin richtig. Mein toller, neuer Studentenausweis ist schick. Mit Bild (und nein, ich gleiche der Bruni nicht einmal annährend!!!) und stabil. Sehr erleichtert mache ich mich auf, den Mensaausweis zu finden ...

2.10.10 18:00


In der Rue Daguerre ist die Welt noch in Ordnung

Wie die einfach aus Prinzip streiken. Ich höre mäßig beeindruckt von der Empörung über die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Auf 62. Ja heult doch, echt mal.

Außerdem wurde der Eiffelturm wegen Bombendrohung evakuiert und überhaupt wurde vermehrt mit Anschlägen gedroht. Na toll. Frustriert von soviel Unmut und der Idiotie Sarkozys nehme ich mein altes Französischbuch zur Hand.

Julien wohnt in Paris. Er hat einen Papagei. Der heißt Arthur. Arthur est un perroquet. Es gibt auch noch Minnie, eine Maus. Die ist im Karton. Qu'est-ce qu'il y a dans le carton? Julien holt ein Baguette. Mit seinem Skateboard. Der Depp passt nicht auf und BOUM, c'est le choc! Immer uffpasse, Boi! Es gibt auch noch Monsieur Lacombe und Madame Blanchard. Alle wohnen sie in der Rue Daguerre und siehe da, die gibt’s tatsächlich! Wollte da mit einer der Kommilitoninnen eine Wohnung anschauen. Wir wurden versetzt. Das war der Makel, denn da zu leben ist wahrhaft wie im Bilderbuch! Fußgängerzone, überall Marktstände und Cafés und kleine Läden und nette Menschen. Am liebsten wäre ich geblieben, da ist die Welt noch in Ordnung.

Stattdessen fahre ich zurück in mein Viertel. Ich glaube, es ist hauptsächlich ein indisches. Habe einen Temple Ganesh gesehen und die Menschen, die in der Nähe der Metrostation tun, was sie tun, sehen auch indisch aus. Was sie tun würde unsereiner als Herumlungern bezeichnen. Auf dem Spielplatz hocken oder stehen, sich unterhalten. Bei dem Spielplatz wird auf einem Basketballplatz auch sehr ghettomäßig gezockt und die Anlage ist umzäunt. So muss es in der Heimat vom Bel-Air Prinzen in Philadelphia aussehen. Man steigt also aus der Metrostation aus und stempelt die Gegend automatisch ab. Faaaalsch. Das ist die andere Mentalität, die lungern nicht herum, die wissen einfach, wie man gepflegt abchillt. Hier hat mich noch keiner dumm angegafft oder gar angemacht (ganz anders, als in Schickimickivierteln, übrigens). Vor der Tür zum Haus, in dem ich wohne, chillen die auch. Die Tür ist quasi blockiert. Aber immer weichen sie sofort zurück, bieten Hilfe an, wenn sie sehen, dass ich mit meinen Einkäufen nicht klar komme. Anders als der arrogante Bankmensch oder mein doofer Nachbar. Der verhält sich nun übrigens ruhig. Ob er meinen Blog liest?

23.9.10 23:02


Die können NICHTS an der Sirene!

Der Sommer ist um. Aus und vorbei. Regen und grauer Himmel. Aber Paris ist auch dann sooo schön! Ich höre Edith Piafs La vie en rose und fühle mich heimelich. Vor mir der Blumenstrauß, den ich zusammen mit zwei Freunden (die hier aus rechtlichen Gründen anonym bleiben) ziemlich alkoholisiert ...sagen wir mitgenommen hab' und ein Bier.

So langsam rücken meine werten Kommilitonen an und quartieren sich bei mir ein. Uns erwartet ein Wohnungssuchemarathon. Bonne chance! Haben heute zur Besichtigung beispielsweise den siebten Stock zu einem „chambre de service“ erklommen. Man betritt den Eingang eines nobel wirkenden Gebäudes, folgt dem Vermieter und den anderen Interessenten durch ein schickes Foyer, wirft einen Blick auf marmorne Säulen, durchquert einen ansehnlichen Garten – zu einem weniger ansehnlichen Haus. Hier hauste früher unserer Vermutung nach das niedere Dienstpersonal. Schon bei der Kletterei wird man ob des Schummerlichts depressiv. Mittlerweile folgt einem der atemlose Vermieter. Am Anfang des sehr langen Korridors befindet sich das Klo, genutzt von allen Bewohnern der Etage, am Ende des sehr langen Korridors nun die Wohnung. 14 Quadratmeter, ziemlich groß also. Inklusive Küchennische, Dusche, Bett. Nicht schlecht! 500 Euro Miete. Ohne Strom und Internet. Nur zwei Bewerber bekunden Interesse, der Weg ist zu beschwerlich. C'est Paris!

Paris ist glaube ich ziemlich klein. Genau wie die Welt. Am Wochenende spazieren Waldi (mein erster Besuch im Franzland) und ich durch den herrlichen Tuilerienpark (bei Sonnenschein) und laufen OHNE WITZ der Mitbewohnerin meiner besten Freundin und ihrem Freund über den Weg. Sag ich, was ist hier los? Um die Worte eines zukünftigen Lehrers zu gebrauchen, der seinen Schülern viel beibringen wird: Das war episch!

Wie die Aussicht, die man vom Centre Pompidou aus genießen kann, oder ein paar hundert Meter entfernt von der Métrostation Belleville. Der Eiffelturm in seiner ganzen Pracht. Whoaaaa! Ab neun Uhr abends blinkt er stündlich. Ihr denkt, ihr kennt den ultimativen Blingblingmegakitsch? NICHT.

Wir flanierten außerdem über einen RIESENflohmarkt. FlipFlops, Tasche, Notting Hill-DVD auf Französisch (soviel zum Kitsch^^) sind jetzt in meinem Besitz. Der Flohmarkt erstreckte sich über eine große Avenue und mehrere Seitenstraßen. Eine Kaffeemaschine hätte ich auch gerne abgestaubt aber da war nix Passendes dabei.

Wir statten außerdem dem Cimetière du Père Lachaise einen Besuch ab, auf dem eine Menge berühmter Leute begraben sind. Honoré de Balzac, Victor Hugo, Edith Piaf, Frédéric Chopin, Molière, Oscar Wilde und vor allem Jim Morrison, den wir natürlich gesucht und gefunden haben, gleich nach dem Dönerfestmahl auf einer Friedhofsbank mit Blick auf ein kleines Mausoleum.

In meinem Zimmer muss man sich an Lärm gewöhnen. Vor der Tür Kinder, vor den Fenstern Autolärm. In der Nähe ist ein Krankenhaus, zu dem permanent Krankenwagen rasen. In Paris gibt’s kein typisches Tatütata. Die Melodie scheint nach Belieben zu variieren, zuweilen wird sie einfach unterbrochen. Atatütat gibt’s auch.

Meine Nachbarn sind die unfreundlichsten ever. Ich meinem Bad befindet sich zwar ein WC, verirrt sich darin aber Klopapier, gibt’s Verstopfung. Also ist es besser, seine Sitzungen auf der Toilette im Flur abzuhalten. Gestern Abend klopft mein Nachbar, den ich bis dato noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Ohne Gruß und ohne sich vorzustellen plärrt er, ich solle meinen Gästen gefälligst nicht erlauben, das Gemeinschaftsklo zu benutzen, wo ich doch ein eigenes hätte. Total überwältigt von soviel Unverschämtheit erkläre ich ihm den Sachverhalt. Er versteht's nicht. Ich habe keine Lust mich zu streiten und nicke. Da geht er einfach. Habe meinem Kommilitonen trotzdem erlaubt, da weiterzumachen. Heute lag der Klodeckel vom Gemeinschaftsklo vor meiner Tür. Was kommt als Nächstes? Ein Pferdekopf?!

 

Straßenkunst!

 
 
 
 
 
 
Jimmy!
 
 
 
 


9.9.10 17:39


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