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Bonne année!

Nach einer in jeder Hinsicht erfüllenden Zeit zu Hause im verschneiten Ludwigshaafe und fünf ereignis – und alkoholreichen Tagen in Paris mit den besten Freundinnen, die sich frau nur wünschen kann,sitze ich nun wieder allein in meiner französischen Kleinwohnung (die immerhin sieben gelegentlich torkelnden Weibern einiges an Raum bieten kann) und drücke mich wie immer vor der nervigen Unilernerei,die mich wohl niemals loslässt. Übermorgen werden wir von diesen umnachteten Idioten bereits mit einer Klausur gepeinigt. Wo ist die Message? Nein, love is not the message.Ich schwelge also noch etwas (episches Resteverputzen!) , Nostalgie und Kater machen nämlich unproduktiv und faul!

Als ich wieder hier ankam, war es ein bisschen wie in dem Film „Willkommen bei den Sch'tis“: Der Protagonist wird in die nordfranzösische Region Nord–Pas–de–Calais versetzt und wäre doch so gerne ans Mittelmeer gezogen. Kaum sieht er, ohnehin schon schlechter Laune, das Straßenschild, das auf die laut Klischees scheußliche Gegend hinweist, beginnt es, wie aus Eimern zu regnen. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich im von lauwarmem Pisswetter heimgesuchten Paris landete,nachdem ich im hübsch verschneiten Mannheim eingestiegen war. Als ich dann auch noch meine Dusche voller Stücke Wandverputz vorfand, war's halt aus. Mann, mann, ich dachte echt, da wär' einer eingebrochen!In der Badezimmerdecke führt ein Schacht senkrecht nach draußen und wird unten von einer Klappe abgedeckt. Die lag nun auf dem Duschboden. Als sei das nicht genug, schien in meinem Schlafzimmer eine Art Massakar oder Explosion stattgefunden zu haben. Mein Regal war nämlich über und über bespritzt mit ominöser braunrötlicher, bereits eingetrockneter Flüssigkeit (Exkremente? Rattenblut? Rost?).

Das war, um es auf den Punkt zu bringen, sehr ungeil. Da ist man schon todestraurig und steckt voller Heimweh und wird dann auch noch mit Zement in der Dusche und Scheiße an der Wand konfrontiert. Das dachte ich mir so. Nachdem niemand mir einen fachmännischen Rat geben konnte, weder die Mädels noch sämtliche Skypebeobachter, entfernte ich es mit Wasser. Ging gut weg. Den Ursprung aber konnte ich niemals klären ... In der Dusche half mir – man lese und staune – mein Nachbar! Ermutigt durch die Anwesenheit meiner Freundinnen (wer greift sieben vollkommen überdrehte Frauen an?) fragte ich den um Rat und er, ganz Franzose, sagte, das sei der Wind gewesen. Das passiere manchmal. Das sei normal. Stieg auf einen Hocker und verschloss den Schacht wieder. Wer hätte gedacht, dass sich jemand, der Leuten Klodeckel vor die Tür legt, nochmal als hilfreich erweisen würde?

Dank meiner lieben Gäste konnten mich der architektonische Mangel und die Gülle in meinem Schlafzimmer aber nicht trist stimmen! Wir kauften fromage und vin blanc, wir besuchten die Rue Daguerre, wir besuchten überhaupt sehr viel, den Cimetière Père Lachaise zum Beispiel, auf dem nicht nur Jim Morrison sondern auch Oscar Wilde liegt und dessen Grab wirklich sehr seltsam gestaltet ist...

Wilder Engel

 Wer da wohl drin liegt?

Außerdem statteten wir dem Louvre einen Besuch ab. Ich kann den immerwährenden Hype um „La Jaconde“, die schöne Mona Lisa, gut verstehen. Die Frau sitzt da in ihrem Rahmen, scheint genau zu wissen dass alle sie sehen wollen und beäugt die alberne, permanent blinkende Menschenmasse verschmitzt. Ist schon beeindruckend. Der Eiffelturm stand zur Hälfte im Nebel und gab nicht soviel her als Fotomodell, dafür scheinen die Pariser nicht mitbekommen zu haben, dass Weihnachten vorbei ist und also war ein Weihnachtsmarktbesuch nahe Trocadéro inklusive vin chaud auch noch drin. Sogar einen Rodelberg für die Kinners haben sie aus Kunstschnee hingebaut.

Beim Hôtel de Ville drängelten sich die Leute um eine Schlittschuhlaufflächebla und die Schlangen vor sämtlichen guten Gebäuden (Notre Dame, Centre Pompidou) waren peinlich lang.

Die Silvesterfeierei ist hier so mittelgut. Genialerweise haben wir's genau wie die Touris und Assis gemacht und sind zur Avenue des Champs – Elysées gefahren, um ein bisschen Feuerwerk zu gucken. Ich sag's euch, das war schlimmer als Wurstmarkt.

 Mit dem Unterschied vielleicht, dass in der Metro keiner geraucht oder die Scheiben angekotzt hat. Aber vor Ort! Was do los is'! Wir standen im Kreis und versuchten verzweifelt den Sekt in die Plastikbecher zu schütten, wir wurden hin und her gedrängt, auf einmal war's zwölf und niemand hatte runtergezählt! Dann hat's einmal kurz geknallt, annähernd feuerwerkähnlich, die Leute schrien OH und AH, aber am Himmel war nix zu sehen! Das war fad. Wir stießen trotzdem an. Proscht Neijohr! Und das Glück war da, als es aus der Menge grölte: „Gib mir ein H! Gib mir ein U! Gib mir ein M!“, und so weiter, ihr kennt das Lied. „Wir singen ... '' Hach.

Vor Ort wollten wir nicht bleiben, wir fuhren zum Montmartre, Sacré – Coeur, trafen weitere Deutsche. In Paris gab es gestern keine Franzosen. „Ach, seid ihr auch Deutsche? Wo kommt ihr her? Aus der Pfalz?“ Wir: „AHJOO!“ Ich sage ja, wir haben überall Spaß. Auch wenn in der Bar, in der man sitzt laut Kellner ein Taschendieb umgeht, der Tequilashot so teuer ist wie ein Bier, draußen irgendwelche Assis einen beleidigen, der obligatorische Döner mit Mayo und Ketchup und Pommes in einer Box ist und man bei der Heimfahrt einem nervigen, hohlen Halbstarken die gansö seit einö bisou auf die backö gebön soll.

Das also war Silvester in Paris und wir haben vielleicht nicht das Beste, aber doch mindestens das Zweitbeste gemacht. Vorsatz: Plane die nächste Feierei in Paris.

Also Frohes Neues Jahr!

 

1.1.11 19:33
 


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