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In der Höhle des Drachen

Ich mache mich auf zur Uni, der Papierschlacht die Stirn zu bieten und meinen Studentenausweis zu erlangen. Als eines jener Opfer, die aufgrund ihres Nachnamens immer zu den Letzten gehören, wurde ich von meinen werten besserbenamten Kommilitonen schon diversen Schauergeschichten über die französische Unibürokratie ausgesetzt. Man müsse noch Motivationsschreiben und Lebenslauf nachreichen und außerdem einen Sprachtest machen und mindestens drei Passfotos dabei haben. Die Sekretärin, die sich der Erasmusstudenten annimmt, sei ein richtiger Drachen.

Halb nervös, halb lustlos laufe ich zum Gebäude für „Relations internationales“, was darunter mit „internationale Verhältnisse“ übersetzt ist ^^. Raum 105 finde ich recht schnell, es ist der, vor dem sich etwa 20 Leute tummeln. Die gefühlte Wartezeit beträgt fünf Stunden. Als ich endlich an der Reihe bin, muss ich natürlich bereits dringend auf Toilette. Ich lasse mir erklären, dass der Sprachtest verpflichtend ist, ein Einschreiben in einen Sprachkurs aber nicht. Nach dem Sinn traue ich mich nicht zu fragen und beschließe, auf den Test zu verzichten.

Dann werde ich zum Drachen geschickt. Der soll mich einschreiben. Es handelt sich um eine tatsächlich außergewöhnlich strenge Frau, die aber, als sie meine Unterlagen einsieht, ein mitleidiges und freundliches Gesicht macht: „Ah, Sie sind das Mädchen, das VWL studiert. Die einzige!“ Sie hätte mich auch gleich als armes Opfer bezeichnen können. Es stellt sich heraus, dass es bei VWL mehrere Optionen gibt. Internationale VWL, VWL und Politik, Geld, Bank und Finanzen und so weiter. Welche ich wolle. Ich wusste nicht, dass ich wählen kann, sage ich und auch, dass meine Vorgänger immer Geld, Bank und Finanzen belegt haben. Sie will, dass ich es mir gut überlege und dann wieder komme. Ich will nicht nochmal hier rein. Ich will meinen Ausweis. Bei einem Blick auf mein Passbild (das ich vor ein paar Monaten zusammen mit meinem Antrag bereits eingeschickt habe), wird ihr Gesicht noch freundlicher. „Sie sehen hier aus wie Carla Bruni!“ Betroffen überlege ich, welche Reaktion jetzt angebracht ist. Findet sie mich hübsch oder dass ich Haut wie ein Plastikeimer habe? Dann kommt mir der Gedanke, dass die Franzosen ihre First Lady lieben und entscheide mich für ein geschmeicheltes Lächeln. Frau Drache merkt das und relativiert sofort ihre Aussage: „Aber nur auf dem Bild! Jetzt haben Sie ja viel hellere Haare! Sie sollten sie unbedingt wieder dunkel färben!“ Ich argumentiere mit Natürlichkeit, aber das lässt sie nicht gelten. Ich traue mich nicht, mich mit ihr anzulegen.

Plötzlich fällt ihr wieder ein, warum ich hier bin (meine Blase macht sich bereits auf den großen Knall gefasst) und sagt, sie könne mich für Geld, Bank und Finanzen nur mit einer Bestätigung von meiner Mainzer Fachkoordinatorin einschreiben. Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Frau Drache drückt mir ein Telefon in die Hand, ich muss anrufen. Tingeling, Mainz meldet sich, ich schildere entnervt mein Problem, das mit der Bestätigung ist neu, aber es gibt ja Fax, das wird gemacht, ich werde eingeschrieben, ICH HAB'S GESCHAFFT. Ich muss ein Stockwerk runter, erneut einen Raum suchen. Da sitzen Leute hinter Computern und tippen. Ich bin richtig. Mein toller, neuer Studentenausweis ist schick. Mit Bild (und nein, ich gleiche der Bruni nicht einmal annährend!!!) und stabil. Sehr erleichtert mache ich mich auf, den Mensaausweis zu finden ...

2.10.10 18:00


Lernen, lernen, lernen po pernen!

Wenn die Pariser (vielleicht auch die übrigen Franzosen) überlegen, was sie sagen wollen, sagen sie „bah“. Es hat die gleiche Bedeutung wie „ähm“ und wird sehr häufig benutzt. Selbst bei mir schleicht es sich schon ein. Bei unserem Statistikprof klingt es wie ein Rülpsen ins Mikro und niemand versteht, warum ich bei jedem Bah fast unter der Bank liege. 

Der Unialltag. Ich habe jetzt einen. Einen Alltag meine ich, mit verpflichtenden Tds (travaux dirigés), das sind Übungen und eeeewiglangen Cm (cours magistraux), das sind Vorlesungen. In Mainz hatte ich pro Semester vier Fächer mit je einer Übung und einer Vorlesung, die in der Regel je eineinhalb Stunden dauerten. Ich musste in jedem Fach eine Klausur bestehen (4gewinnt!). Keine Hausarbeiten, keine Referate. Hier habe ich fünf Cm mit jeweils einem Td. In den Tds schauen sie auf Mitarbeit, man diskutiert hier zuweilen über das, was man studiert. Wenn ich dann irgendwann mal endlich alles verstehen sollte, was die Dozenten da auf schnellstem, undeutlichstem Französisch palawern, kann ich mich evtl. auch beteiligen. Zwei interkulturelle Kurse und Englisch müssen wir auch belegen. In Englisch werden wir die Franzosen dermaßen wegdominieren, die können ja nichts an anderen Sprachen.

Dafür sind sie groß im Streiken. Jipjip, da hab ich mich gefreut, als einfach ein kompletter Tag FREI WAR wegen des Streiks gegen die Rentenreform. Das war schon sehr top, nur langsam nervt es, weil ständig alle Metros total verstopft sind und ich schon um sechs Uhr aufstehen muss, weil ich Angst habe, ich schaff' es sonst nicht pünktlich zur Uni und dann kann ich meine Unterschrift nicht auf die Kursliste setzen, was zur Folge hat, dass ich fehle, und wenn man dreimal fehlt, ist das schlecht. Null Creditspoints und so. 

Das heißt, es ist nicht mehr so wie in alten Zeiten, dass ich einfach liegen bleibe, wenn ich keine Lust habe. Und da meine Kurse jeden Tag zwischen acht und neun anfangen, stehe ich jeden Tag um sechs oder halb sieben auf. Woran erinnert uns das? Schule. Nur, dass Mama einen nicht mehr weckt, wenn man verschläft...

Von Krawallen, brennenden Autos etc. hab' ich bisher übrigens noch nichts mitbekommen. Obwohl die Uni in Nanterre liegt, also nicht in der privilegierten Innenstadt. Einmal haben sie wohl die Mensa attackiert, Steine gegen die Fenster geworfen und die Tür demoliert, aber da war ich nicht vor Ort. 

In Paris ist das meiste unfassbar teuer, anderes aber auch wieder nicht. Einerseits habe ich heute Nacht um vier Uhr mit zwei Freunden einen Burger, Pommes und ein paar Salatbätter für 17 EURO gefuttert (also für jeden). Draußen war es kalt, wir hatten keine Lust, in so einen Schickimickiclub beim Arc de Triomphe zu gehen, der nach Geld stank und außerdem schlechten HipHop spielte. Wir wären wohl ohnehin nicht reingekommen. So ohne blondgefärbt und Gürtel äh Rock erfährt frau nicht die Gnade dieser Proletenschuppen. Mit ihren 2cl Vodkagläschen für 20 Euro. Bah.

Wie auch immer, stattdessen liefen wir etwas durch Paris by night, stiegen in einen Bus ein und landeten bei der Bastille. Weil es bibberkalt war und wir auf die 1. Metro um halb 6 warten mussten, setzten wir uns in das einzige Bistro, das um 4 noch/schon auf hat (nix Musikparkdöner am Berlinerplatz, schön wär's!) und schnabulierten das Billigste auf der Karte. War sehr lecker gewesen. Andererseits kostete und die Karte für 3D Despicable Me grade mal sieben Euro. Das ist sogar im Verhältnis zu Deutschland billig. Für Studenten geht hier einiges.

Haha, und in der Metro haben sie auf diversen Sprachen Vorsichtsschilder angebracht. Auf Deutsch steht da: „Notausstieg. Am Griff zichen. Nach dem vollständigen Stillstand des Fahrz die Türen aufdrücken.“ Süß, oder? Wieder eine Situation, in der ich wie eine Irre vor mich hingrinsend durch Paris fuhr. Hier ist es meistens lustig^^

PS: Ich muss meine Aussage über die Prollodisko relativieren. Heute wurde mir erzählt, dass man da drin auch mit Jeans Spaß haben und teils gute Musik hören kann.

21.10.10 22:58


s



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