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kebab & vin

Manchmal sitze ich rauchend vor Zorn in der Uni und möchte meinen Kopf immer und immer wieder gegen die Wand hauen.

Es ist so, dass meine französischen Kommilitonen wirklich sehr, sehr nett sind. Kommunikativ und interessiert. Klar, sie sprechen in der Regel nicht langsamer, deutlicher und lauter, wenn man sie nicht sofort versteht (es sei denn, sie waren schon mal im Ausland). Das schult aber immerhin mein Ohr und zwingt mich, richtig aufmerksam zu sein.

ABER während ich es nicht unbedingt als Nachteil empfinde, hier kein Muttersprachler zu sein, muss es für nichtfranzösische Dozenten die wahre Hölle sein, uns zu unterrichten.

In einem meiner Fächer unterrichtet eine Russin mit starkem Akzent das Tutorium. Sie ist sehr kompetent, rechnet die übelsten Brüche im Kopf an der Tafel aus und hat's einfach drauf. Dennoch ist es unmöglich, ihr zu folgen, weil der Saal grundsätzlich von nervtötendem Geplapper erfüllt ist, und ihre leise Stimme überlagert. Keiner hält es für nötig, mal ruhig zu sein, und wenn's nur aus Rücksicht wäre. Mittlerweile führt Mme L. nur noch Monologe und schreibt die Lösungen an, weil es nicht passieren wird, dass auf ihre Fragen geantwortet wird.

Was mich aber am allermeisten aufregt, ist die Art und Weise, wie meine Kommilitonen voraussetzen, dass ihnen alles auf dem Silbertablett serviert wird. Mme L. erklärt, warum man da die Ableitung machen muss. Eine Sekunde später meldet sich Jean oder Jaques und fragt, warum man die Ableitung macht. Da könnt' ich ausflippen!!!!!

Am nervigsten ist es, wenn jemand eine Frage stellt und Mme L. diese nicht auf Anhieb versteht, eben wegen des unverschämt hohen Lärmpegels. Dann fragt sie nochmal nach, sagt sie habe die Frage nicht verstanden. Denkt ihr, Claire oder Fabienne würden die Stimme anheben? Nee! Die wiederholen gefühlte 50 Mal die Frage in derselben Laut- bzw Leisestärke und raffen einfach nicht, dass es nicht die Häufigkeit der Wiederholung ist, die ihre Frage beantworten wird.

Ich erzähl' das nicht, weil ich glaube, es ist vielleicht typisch französisch. Ehrlich nicht. Ich meine, es gibt überall hohle, rücksichtslose Idioten. Aber: dieses Verhalten findet man gegenüber französischen Muttersprachlern nicht. Niemals. Da wird von vornherein Autorität unterstellt und das Verhalten entsprechend angepasst. Ruhe im Saal, Beteiligung, kleinlaute Fragen.

Ich erzähl' es eben, weil es mir Kopfschmerzen bereitet und ich schlecht meinen Ärger an der Uni rauslassen kann. Ok, ich könnte auf Deutsch rumfluchen, und alle beleidigen, aber dann hätte ich ja den Ruf einer Verrückten. Zusätzlich zu den Kopfschmerzen.

Apropos verrückt. Wie überall auf der Welt gibt es auch hier schon ziemlich viele komische Leute. An solche Menschen, die Selbstgespräche führen, dich aus großen Augen anstieren, die aufeinmal in der Metro anfangen zu tanzen, ohne hörbare Musik oder auch mal auf einer Parkbank sitzen und eine Wurstpelle auslutschen, gewöhnt man sich.

Darüber eine Geschichte: Gestern saß ich mit einer Freundin am Ufer des Canal St. Martin. Die Atmosphäre ist da wie am Rhein in Mainz oder wie am Weiher in Lu, wie ihr wollt. Gruppen von Leuten, die da chillen eben. Wir saßen da also, vor uns Pseudodöner und eine Flasche Wein, zum Dreiviertel voll. Ein schöner Abend, letzte Sonnenstrahlen, Sommerduft in der Luft, alles sehr nice.

Auf einmal bleibt eine Frau vor uns stehen, zum Betteln. Sie fragt, ob sie ein Stück von dem Döner abbeißen dürfe. Nur ein kleines Stück. Sag ich, nein, aber Sie können gerne meine Pommes haben. Ich war fast satt und dachte, dann könnte ich ihr das ja wenigstens anbieten. Die Frau schüttelt den Kopf und sagt, sie wolle nur ein kleines Stück Döner. Ich biete ihr abermals die Fritten an. Sagt sie: „Na gut, dann nehm ich nur das.“, greift sich blitzschnell die Flasche Wein, sagt noch, „Merci.“ und humpelt, humpelt, davon!

Wir saßen da und waren nur verdattert. Frechheit siegt. Hunger vortäuschen, den Wein stehlen. Wir hätten ihr auch nachgekonnt, wie gesagt, sie hat schwer gehumpelt. Aber weil's uns gut geht und wir wahrscheinlich dreimal soviel haben, sind wir sitzen geblieben und haben später eine neue Flasche gekauft. Der Wein schmeckte dann wesentlich besser.

Also ein weiteres kleines Abenteuer in Päris. Nach anfänglicher Sprachlosigkeit und irgendwie auch Unwohlsein, weil die Frau so...naja, so verzweifelt war, waren wir uns einig, dass wir immerhin eine Anekdote mehr haben.

 

Wir so höhö, leere Metro

 

 
 
 
Louvre!
 
 
 
 
 Gepriesen seien große Werbeflächen!
 
 
 
Jeder schwankt mal
 
 
 
Zuckerwatte in Fontainebleau
 
 


10.4.11 21:27


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